Probleme mit der Haut

Sehr oft begegnen mir in meiner Praxis Beschwerdebilder, die das Organ Haut betreffen. Am häufigsten Akne in der Pubertät oder Spätakne im Erwachsenenalter, Ekzeme, Neurodermitis und Psoriasis. Diagnostik und Therapie unterscheiden sich bei Hauterkrankungen in der TCM besonders deutlich von der Diagnostik in der Schulmedizin. Warum? Weil die TCM in diesem Zusammenhang zwischen einer ‚Fülle‘- und einer ‚Mangel‘-Problematik unterscheidet. Hier ein kurzer ...Einblick:

Die Haut gehört in der TCM zu dem Organkreis Lunge/Dickdarm. D.h., Hauterkrankungen indizieren immer eine Schwäche in diesem Organkreis. Aber nur in mir wenigen bekannten Fällen, ist auch der Organkreis Lunge/Dickdarm der Beschwerdeführer. Sehr oft sind die Ursachen einer Hauterkrankung im

1. Organkreis Leber/Gallenblase oder
2. Organkreis Niere/Dünndarm

zu finden. Rührt die Ursache vom Organkreis Leber, wird von einem Fülle-Symptom ausgegangen, rührt sie hingegen vom Organkreis Niere her, wird in den meisten Fällen von einem Mangel gesprochen. Dementsprechend werden hier auch völlig unterschiedliche Therapien empfohlen, sowohl in der Ernährung, als auch in der Kräutergabe und Akupunktur.

Ursache im Organkreis Leber/Gallenblase

Liegt die Grundproblematik in diesem Organkreis, handelt es sich meistens um nässende, juckende und an der Psyche sehr stark zehrende Hauterkrankungen. Es sind Hauterkrankungen, die mit einem hohen Grad an Leiden und Schmerzen verbunden sind. Die Menschen reden viel und oft davon und sind auch gerne bereit, die betroffenen Hautstellen zu zeigen. Vor allem der ununterbrochene Drang hinzugreifen und/oder zu kratzen, steht hier deutlich im Vordergrund. Besonders bei Kindern ist das Beschwerdebild mit viel Weinen und Unruhe verbunden. Aber auch betroffene Erwachsene berichten von Unruhe, Schlaflosigkeit und Nervosität. In vielen Fällen sind diese Hauterkrankungen auch mit dem Konsum oder Kontakt bestimmter Substanzen (Lebensmittel, Pflanzen, Pollen, Tiere), aber auch mit dem Kontakt bestimmter Menschen verbunden … Vor allem, wenn zwischenmenschliche Begegnungen mit Stress einhergehen. Viele Menschen leiden beispielsweise darunter, dass ihre Haut (allen voran im Gesicht, am Hals und Dekolleté) rot ‚anläuft‘ oder fleckig wird, wenn sie vor Menschengruppen sprechen müssen oder sich generell in Gegenwart eines Menschen unwohl fühlen. Da der Organkreis Leber, der Regent unserer Emotionen ist, erspare ich mir hier weitere Erklärungen.

Daher ist es zwingend notwendig, bei Hauterkrankungen immer auch das soziale Umfeld des Betroffenen genauer zu betrachten. Die Haut ist unser erstes ‚Kontaktorgan‘ mit der Umwelt. Wir berühren, wir spüren, wir nehmen vieles über die Haut wahr, nicht umsonst zeugen auch viele Sprichwörter von dieser Tatsache (er/sie rückt mir auf die Pelle, es geht mir unter die Haut, es ist zum aus der Haut fahren, die eigene Haut retten, eine dünne Haut haben, ich möchte nicht in seiner/ihrer Haut stecken, es juckt mich nicht … und und und).
Oft sind zwischenmenschliche Probleme oder Erfahrungen Auslöser für Hauterkrankungen. Löst man diese Probleme nicht, oder verarbeitet die Erfahrungen unzureichend, wandeln (psychomatisieren) wir diese Tatsache nicht selten in akute Hauterkrankungen um, die, sofern das Problem nicht gelöst wird, schnell in chronische Beschwerden übergehen können.

Das ist auch immer wieder die größte Problematik, auf die ich in meiner Praxis stoße, nämlich Menschen verständlich zu machen, dass ihre Erkrankung sehr viel mit ihrer sozialen Situation (Beziehung(en)!) zu tun hat. Hier steht es um Einsicht und Veränderungsbereitschaft sehr schlecht bestellt und viele wollen davon auch gar nichts wissen. Zulange hat uns die Schulmedizin ‚vorgegaukelt‘, dass das Kügelchen zur richtigen Zeit geschluckt oder das Cremchen an der richtigen Stelle aufgetragen, ‚die Sache‘ schon erledigen wird.

Ist die Ursache einer Hauterkrankung in erster Linie in dem Organkreis Leber/Gallenblase zu finden, können sich u.a. auch noch folgende Beschwerdebilder hinzugesellen: Probleme mit den Augen (rote, juckende Augen oder Ekzeme an den Augen), Allergien, Anfälligkeit für Krämpfe, Gelenksbeschwerden, Verdauungsbeschwerden wie Magenschmerzen, Blähungen, Völlegefühl, Probleme mit der Schilddrüse, Migräne, Schwitzen am Kopf und Rücken und Neigung zu Emotionen wie Wut und Zorn.

Ursache im Organkreis Niere/Blase

Liegt die Ursache in diesem Organkreis, sind die Beschwerdebilder weniger ‚aggressiv‘, mehr unauffällig. Schmerzen und damit verbundener Leidensdruck steht weniger im Vordergrund, das liegt aber nicht selten auch an den Betroffenen. Sie reden kaum oder gar nicht darüber und zeigen die betroffenen Stellen auch ungern her. Es ist eher ein ‚stilles‘ Leiden; eines das auszehrt und müde macht. Die Hautbeschwerden sind selten nässend und/oder stark juckend, sie sind mehr schuppig (Psoriasis) und trocken. In weiterer Folge entstehen Risse und ‚trockene‘ Blasen sowie 'Hautverdickungen' (beispielsweise an den Nägeln).

Der Betroffene leidet häufig auch unter einem oder mehreren nun genannten Symptomen: Ohrenbeschwerden wie beispielsweise Tinnitus, schütterem Kopfhaar, Probleme mit den Knochen, Wirbeln vor allem im Lendenwirbelbereich und Probleme mit den Knien, Nieren- oder Blasenbeschwerden.

Oft trifft es Menschen, die generell sehr zurückhaltend sind und einen eher distanzierten Umgang mit ihren Mitmenschen pflegen. Sie zeigen nahezu nie starke Emotionen und haben Schwierigkeiten, sich für etwas begeistern können. Sie haben selbst Angst vor ihren Emotionen und neigen dazu, starke Gefühle zu unterdrücken. Der Umgang mit der Umwelt ist daher eher unterkühlt und nicht selten tragen diese Menschen ganz
gerne ‚Masken‘. Sie 'schützen' sich und 'schotten' sich lieber ab. Daher verwundert es weiter nicht, dass die Beschwerden oftmals an den Händen, um die Augen, den Mund oder an den Füßen auftreten. Alles Körperstellen, die (intensiveren/näheren) Kontakt ermöglichen.