Heute möchte ich ein Thema ansprechen, das viele Frauen beschäftigt. Vorrangig betrifft es Frauen in den Wechseljahren, zunehmend aber auch immer mehr junge Frauen. Das hat damit zu tun, das unsere Ernährung aber auch unsere Lebensführung immer ‚hitziger‘ wird und damit kommt es schon frühzeitig zu einem erhöhten Verbrauch/Verlust an ‚kühlender‘ Körperflüssigkeit.

Das Resultat sind Beschwerden während des Geschlechtsverkehrs, aber nicht selten auch absei...ts von diesem. Brennen, jucken, eine erhöhte Anfälligkeit für Pilzinfektionen, Blasenentzündungen oder ein generelles Unwohlgefühl in der Scheidengegend.

Viele Medikamente u.a. Antidepressiva, die immer häufiger und vor allem immer jüngeren Menschen verschrieben werden, ‚verbrennen‘ Körperflüssigkeiten und auch die Einnahme Anti-Baby-Pille kann diese Beschwerden hervorrufen.

Es ist ein Thema, das noch immer vorwiegend ‚hinter vorgehaltener Hand‘ besprochen wird, haften doch unverständlicherweise Frauen mit einem solchen Beschwerdebild Begriffe wie Lustlosigkeit und Frigidität, aber auch mangelnde Hygiene oder einfach auch ‚nur‘ die Eigenschaft der ‚Zickigkeit‘ an. Auch ich bemerke bei meinen Anamnesegesprächen, dass hier immer ein Schamgefühl mitschwingt, das auch ein wenig etwas von ‚Schuldgefühl und -haftigkeit‘ in sich trägt. Das ist sehr sehr bedauerlich.

Schon eine rigorose Ernährungsumstellung durch Hinzunahme körpersäfteaufbauender und das Weglassen körpersäfteverzehrender Nahrungsmittel kann hier schon viel bewirken. Zu erster Kategorie gehören allen voran gedünstetes und/oder gekochtes Gemüse und Obst (hier muss man nur bei den ‚sauren‘ Obstsorten vorsichtig sein) und das Trinken von mind. 2 Liter abgekochtem Wasser, zur zweiten Kategorie gehören vorrangig alle scharf/heißen Lebensmittel wie beispielsweise Ingwer, Pfeffer, Chilli usw.

Wichtig ist auch zu wissen, dass unsere ‚Körpersäfte‘ vor allem unter Stress und Aufregung leiden. Aber auch schweißtreibender Sport und Saunagänge mit starken Schwitzen verbunden, sollten vermieden werden. Wenn ich daran denke, wie viele junge Frauen abends (zu einer Uhrzeit, in der die Körpersäfte besonders geschützt gehören!) sich nach einem stressigen Arbeitstag noch auf Laufbändern oder anderen Fitnessgeräten den Schweiß aus den Poren treiben, wundert es mich kein bisschen, dass der Sex danach eher eine trockene Angelegenheit wird - sofern es nicht am Partner liegt .

Ein weiterer Aspekt, der Scheidentrockenheit auslösen kann, ist der sinnentleerte Trend der Intimrasur. Angeblich gibt es vor allem unter jungen Menschen den Trend, dass Frauen bzw. Männer mit Schambehaarung als mögliche Partner ausgeschlossen werden. Eine in den USA durchgeführte Studie unter männlichen Triebtätern, deren Opfer weiblich und jünger als 10 Jahre waren, zeigte auf, dass einer der erst genannten Motive für die sexuellen Vergehen an kleinen Kindern, deren Haarlosigkeit und damit ersichtliche Machtlosigkeit, war. Erschütternd, oder?

Haare bedeuteten seit jeher Macht. Darum wurden und werden Feinde in Kriegen skalpiert, deswegen rasiert man Gefangenen die Haare, setz(t)en sich Adelige, Richter und Kirchenväter Perücken auf und deswegen müssen die Haare bei Frauen mancher Religionen ‚verschwinden‘. Ich denke auch an die ‚Nonnenhaube‘.

Die Intimbehaarung bedeutet aber nicht nur den sichtbaren Eintritt in das Erwachsenenalter sondern es schützt auch vor Kälte, übermäßiger Hitze, vor Feuchtigkeitsverlust und Eindringen von Schmutz und Bakterien. Abgesehen davon können sich Enthaarungscremes äußerst schädlich auf Schleimhäute und Scheidenflora auswirken und auf diese Weise die natürliche Feuchtigkeitsproduktion massiv beeinträchtigen.

Generell gehören die Ursachen für Scheidentrockenheit genau und kompetent von einem umsichtigen und vor allem ganzheitsmedizinisch denkenden Arzt/Therapeuten abgeklärt.

Viele Frauen greifen in einer solchen Situation zu Gleitcremen, die allerdings nicht alle optimal sind und das Beschwerdebild noch verstärken können. Hier einige hilfreiche Informationen (Quellenverzeichnis siehe im Anhang):

Gleitmittel auf Wasserbasis

Gleitmittel auf Wasserbasis gehören zu den sanften Gleitmittelvarianten. Sie bestehen hauptsächlich aus Wasser und Glycerin. Gleitmittel mit Glycerin können bei jenen Frauen problematisch sein, die zu Pilzinfektionen neigen. Glycerin dient als Nährstoff für Pilze und andere Mikroben. Wer also zu Candidainfektionen oder häufiger Blasenentzündungen neigt, sollte diese meiden.

Gleitmittel auf Ölbasis

Gleitmittel, die keinerlei Wasseranteile aufweisen, basieren meist auf Mineralölen (Paraffinöl bzw. Vaseline), dichten die Haut ab und verhindert deren Atmungsfähigkeit. Gleitmittel auf Ölbasis lassen sich nur schwer mit Wasser entfernen, die Reinigung danach findet daher gezwungenermaßen mit Duschgels oder Seife statt, die ihrerseits wieder die Scheidenflora zerstören und somit anfällig für Infektionen (Pilze, Blasenentzündungen) machen. Ohne Seife lassen sich die öligen Gleitmittel aber nicht entfernen. Zusätzlich schaffen Gleitmittel auf Öl- bzw. Paraffinbasis ein Milieu, das es Bakterien erleichtert, in den Körper einzudringen, so dass ölbasierte Gleitmittel auch auf diese Weise Harnwegsinfektionen begünstigen können.

Gleitmittel auf Silikonbasis

Für Gleitmittel auf Silikonbasis gilt das Gleiche wie für Gleitmittel auf Ölbasis. Auch zu ihrer Entfernung ist Seife/Duschgel nötig. Vaginalverkehr mit diesen Gleitmitteln ist daher weniger empfehlenswert. Silikongleitmittel gibt es auch auf Wasserbasis. In diesem Fall enthalten sie statt Glycerin (wie bei den wasserbasierten Gleitmitteln) das sog. Dimethicon. Dabei handelt es sich um ein Silikon, das Wasser in eine glitschige Masse verwandelt. Gleitmittel dieser Art sind wasserlöslich und lassen sich daher leicht und ohne Seife abwaschen.
Allerdings sollte man berücksichtigen, dass es über die langfristigen Auswirkungen des regelmäßigen Einsatzes von silikonhaltigen Gleitmitteln auf die Gesundheit nicht wirklich eindeutige Informationen gibt. Was silikonhaltige Implantate anrichten können, wenn sie im Gewebe platzen ist hingegen hinreichend bekannt. Die Folgen reichen von ernsthaften Bindegewebsschäden bis hin zu Krebs.
Da gerade Frauen mit empfindlichen Vaginalschleimhäuten nicht selten Risse oder andere kleine Verletzungen in der Schleimhaut aufweisen und somit Gleitmittelbestandteile auch in den Körper gelangen könnten, entscheidet man sich vielleicht besser für solche Gleitmittel, die nicht nur definitiv ungiftig sind, sondern die überdies auch zur Pflege und Regeneration der Schleimhäute dienen können.
Zusätzlich hat sich in Studien herausgestellt, dass Gleitmittel auf Wasserbasis deutlich besser verträglich sind und auch ihren Zweck offenbar besser erfüllen als Gleitmittel auf Silikonbasis. So klagten Frauen, die wasserbasierte Gleitmittel verwendeten, über deutlich weniger vaginale Beschwerden (allgemeines Unbehagen, Schmerzen beim Eindringen) als solche die silikonbasierte Gleitmittel einsetzten.

Gleitmittel enthalten Chemikalien

Nun enthalten Gleitmittel leider nicht nur Wasser, Glycerin, Öle oder Silikon, sondern meist natürlich auch Zusatzstoffe wie synthetische Duftstoffe, Konservierungsstoffe, Farbstoffe und vieles andere mehr.
Zu den Konservierungsstoffen gehören beispielsweise die Parabene. In der Inhaltsstoffliste auf dem jeweiligen Gleitmittel erscheinen dann Wörter, die mit –paraben enden. Zu den am häufigsten verwendeten Parabenen zählen Methylparaben, Propylparaben, Butylparaben und Ethylparaben.
Es gibt viele gute Gründe, aus denen man Kosmetik- oder Körperpflegeprodukte mit Parabenen und anderen Chemikalien meiden sollte. Ganz besonders gilt das natürlich für Gleitmittel, da diese auf die empfindlichsten Körperstellen aufgetragen werden. Die Inhaltsstoffe des Gleitmittels können dann leicht über die Schleimhäute absorbiert werden und gelangen so in den Blutkreislauf.
Parabene nun können das hormonelle Gleichgewicht bei Frauen verändern und werden mit der Erkrankung an Brustkrebs in Verbindung gebracht. So zeigte sich in einer aktuellen Studie, dass Parabene in menschlichem Brustgewebe die Vermehrung von Krebszellen fördern konnten.
Parabene wirken sich ferner laut verschiedener Studien aufgrund ihrer schwachen östrogenartigen Wirkung negativ sowohl auf die Spermienanzahl als auch auf die Spermienqualität aus. Auch die Testosteronmenge soll unter Parabeneinfluss sinken.
Oft findet man in Gleitmitteln auch den Konservierungsstoff Natriumbenzoat. Er gilt als krebserregend, zelltoxisch und mutagen. Letzteres bedeutet, dass er die Erbsubstanz negativ beeinflusst und zu sog. Chromosomenaberrationen (Veränderungen der Chromosomen) führen kann. Selbst Krankheiten der Leber sowie die Parkinsonkrankheit werden mit Natriumbenzoat in Zusammenhang gebracht.

Natürliche Gleitmittel

Ein wirklich gesundes Gleitmittel sollte also ohne bedenkliche Chemikalien zusammengesetzt sein wie beispielsweise das Kokosöl oder Aloe Gel:

Gleitmittel aus Kokosöl

Kokosöl ist ein beliebtes Intimpflegemittel. Besonders gerne wird es aufgrund seines Gehalts an antimykotisch wirksamer Caprylsäure zur Vorbeugung oder naturheilkundlichen Behandlung von Pilzinfektionen wie z. B. Candida angewandt.
Kokosöl wirkt ferner beruhigend und kühlend. Es ist außerdem nicht parfümiert und – wenn es ein natives Bio-Kokosöl ist – völlig natürlich. Viele Frauen tragen das Kokosöl daher bei Bedarf nach der Dusche auf die Schamlippen und auch die inneren Schleimhäute auf.
Kokosöl kann jedoch auch sehr gut als natürliches Gleitmittel verwendet werden.

Gleitmittel aus Kokosöl selbst herstellen
Aus Kokosöl – genauso auch aus Kakao- oder Sheabutter – lassen sich auch sog. Vaginalkugeln zubereiten. Dies ist besonders dann sehr praktisch, wenn man eine chronische Vaginaltrockenheit behandeln möchte und sich zu diesem Zweck zwei- bis dreimal wöchentlich eine Vaginalkugel einführt. Natürlich kann man dies auch kurz vor dem Geschlechtsverkehr tun.
Vaginalkugeln kann man ohne großen Aufwand selbst herstellen. Benötigt wird dazu lediglich eines der genannten Fette oder auch eine Mischung daraus. Das Fett wird zunächst im Wasserbad geschmolzen. Dann wartet man einige Minuten, bis es sich in eine knetbare Masse verwandelt hat und formt kleine Kugeln (à ca. 2 Gramm) daraus. Die Kugeln lassen sich jetzt etliche Wochen im Kühlschrank aufbewahren. Da es sich um Fette handelt, die bei Temperaturen um 23 Grad flüssig werden, lösen sie sich auf, sobald sie sich in der Scheide befinden.
In das geschmolzene, leicht abgekühlte Fett kann man nun auch heilende Wirkstoffe einrühren, wie beispielsweise eine Rotklee-Urtinktur. Der Rotklee enthält östrogenähnlich wirkende Phytohormone, die in der Scheide erfahrungsgemäß ähnlich vorteilhaft wirken wie pharmazeutische Östrogene in Östrogencremes. Die Menge der Rotklee-Urtinktur sollte 10 Prozent von der geschmolzenen Fettmenge nicht übersteigen.

Gleitmittel aus Aloe Gel

Das reine Aloe Gel ist eine sehr gute und eine der maximal natürlichsten Formen eines Gleitmittels. Es fungiert nicht nur als Gleitmittel, sondern auch als Heilmittel, da es mit seinen feuchtigkeitsbindenden und wundheilenden Eigenschaften die Vaginalschleimhaut schützt und ihre Regeneration fördert. Die Aloe wirkt ferner juckreizlindernd und leicht antimykotisch und ist daher hervorragend für Frauen geeignet, die für Scheidenpilzinfektionen anfällig sind.
Da käufliche Aloe Vera Gels meist noch weitere Bestandteile enthalten, z. B. Düfte oder Konservierungsmittel, eignen sich diese nicht so gut als Gleitmittel. Viel besser ist es da, sich das Aloe Gleitmittel selbst herzustellen.
Wenn Sie regelmäßig Gleitmittel im Einsatz haben, dann lohnt es sich, dafür einige Aloe-Pflanzen in einem sehr hellen Zimmer – idealerweise am Südfenster – zu halten. Im Sommer fühlen sich die Pflanzen auf Ihrem Balkon oder Ihrer Terrasse pudelwohl.
Es muss sich übrigens nicht unbedingt um eine Aloe Vera handeln, obwohl diese aufgrund ihrer Blattform am leichtesten zu einem Gel verarbeitet werden kann. Die Aloe ferox (Kap-Aloe) oder die Aloe arborescens (Baum-Aloe) sind ebenfalls ganz hervorragende Gel-Lieferanten mit einer Heilkraft, die jene der Aloe Vera sogar noch übertreffen soll.

Gleitmittel aus Aloe selbst herstellen
Nehmen Sie ein Aloe Blatt (von einer älteren Pflanze) und schälen Sie es mit dem Kartoffelschäler. Nur das glasig-glitschige Mark sollte übrig bleiben, da die Haut und auch gelbe Mark-Teile hautreizende Stoffe enthalten und somit für unseren Zweck kontraproduktiv wären.
Das farblose und durchsichtige Mark wird nun in einen kleinen Mixer und ganz kurz gemixt – fertig ist Ihr Gleitmittel. Das Gel hält sich im Kühlschrank einige Tage, sollte aber nach Möglichkeit frisch verwendet werden. Eine Alternative wäre es, das Gel in kleinen Portionen einzufrieren. Doch sollten Sie dann rechtzeitig an das Auftauen denken!

Quellen:
www.zentrum-der-gesundheit.de/gleitmittel-ia.html
Herbenick, D. et al., "Association of Lubricant Use with Women's Sexual Pleasure, Sexual Satisfaction, and Genital Symptoms: A Prospective Daily Diary Study", Journal of Sexual Medicine, 2011 (Zusammenhang zwischen Gleitmittelgebrauch und weiblicher Lust, sexueller Befriedigung und Symptomen an den Genitalien) [Quelle als PDF]
Oishi S. "Effects of propyl paraben on the male reproductive system", Food and Chemical Toxicology, Dez. 2002 (Auswirkungen von Propylparaben auf das männliche Fortpflanzungssystem) [Quelle als PDF]
Soni M.G. "Evaluation of the health aspects of methyl paraben: a review of the published literature", Food and Chemical Toxicology, Dez. 2002, (Beurteilung von gesundheitlichen Aspekten von Methylparaben: Ein Review der veröffentlichten Literatur) [Quelle als PDF]
Charles AK, Darbre PD, "Combinations of parabens at concentrations measured in human breast tissue can increase proliferation of MCF-7 human breast cancer cells", Journal of Applied Toxicology, Mai 2013, (Parabenkombinationen in Konzentrationen, wie sie in menschlichem Brustgewebe gemessen wurden, können die Vermehrung von menschlichen MCF-7 Brustkrebszellen fördern) [Quelle als PDF]
Zengin N, Yüzbaşıoğlu D, Unal F, Yılmaz S, Aksoy H., "The evaluation of the genotoxicity of two food preservatives: sodium benzoate and potassium benzoate", Food and Chemical Toxicology, April 2011, (Die Bewertung der Genotoxizität von zwei Lebensmittelkonservierungsstoffen: Natriumbenzoat und Kaliumbenzoat) [Quelle als PDF]
Madejsky, M., "Lexikon der Frauenkräuter", AT-Verlag
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